Philosophie meets Psychotherapie – Menschsein in Zeiten des Übergangs
Zusammenfassung
Wir leben in Zeiten des Übergangs.
Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, und neue sind noch nicht verbindlich gefunden. Das erzeugt Unbehagen, Angst und Identitätskrisen, begleitet von den alten Fragen: Was ist der Mensch? Wie sollen wir leben, und wie können wir gut mit allem, was ist, zusammenleben?
Obwohl das kollektive Fragen sind, ist es gerade an jedem und jeder Einzelnen, sie für sich zu begründen und zu klären. Dafür machen wir einen Spaziergang durch Psychologie, Philosophie und Spiritualität um abschließend gemeinsam in eine andere Zukunft zu blicken.
Die Psychologie weiß Dinge, die die Philosophie nicht wissen kann: Verletzlichkeit und Solidarität, Trauma, Bindungsstörung und Zeugschaft. Hier finden wir das Herz, das uns Menschen alle miteinander verbindet. Doch ebenso verbindet uns unser Geist und mit ihm die Fähigkeit zu urteilen und zu gewichten. Kierkegaard hält auch Mitgefühl für eine geistige Fähigkeit, Humor und Kreativität sind es gewiss. In dieser Stunde lassen wir uns von den antiken Philosophen Epiktet und Mark Aurel zum Denken inspirieren und zum Nachdenken über unser Denken.
Das betrifft auch die Diagnose des gesellschaftlichen Zustandes – die aktuelle Krise verdankt sich nicht nur der Totalität des ökonomischen Prinzips, sondern auch falschen Vorstellungen über Menschsein und Leben. In der dritten Stunde begegnen wir dem idiotischen und egoistischen Materialismus der Gegenwart mit einem Spiritual Turn, einer Wende nach innen. Texte wie die Bhagavad Gita erinnern uns daran, dass uns alle mehr verbindet, als trennt – nicht nur mit unseren Mitmenschen, sondern auch mit allem anderen, was mit uns ist. Diese Verbindung erzeugt einen gangbaren eigenen Weg, ein Tao, einen Sinn, über den wir mit Viktor Frankl nachdenken. Abschließend blicken wir auf weitere Ideen von Menschsein und Zusammenleben wie Atomverantwortung, Kinship nach Donna Haraway und kosmische Staatsbürgerschaft.
Über den/die Referent:in
Ariadne Schirach
unterrichtet an verschiedenen Hochschulen und hält Vorträge im In- und Ausland. Zudem arbeitet sie als freie Journalistin und Kritikerin. Sie wurde bekannt als Autorin der Sachbuch-Bestseller Der Tanz um die Lust (2007) und Du sollst nicht funktionieren (2014). Die psychotische Gesellschaft (2019) bildet den Abschluss dieser Trilogie des modernen Lebens. 2021 erschien Glücksversuche. Von der Kunst, mit seiner Seele zu sprechen. Ihre neuesten Projekte finden sich unter anderen auf Instagram und LinkedIn.