Mentale Wirkung der Atmung - Über die zentrale Rolle der Atmung bei Angst, Panik & Depression
Zusammenfassung
Atmung ist weit mehr als ein körperlicher Reflex - sie ist die einzige autonome Körperfunktion, die wirdirekt und bewusst steuern können, und damit eine einzigartige Schnittstelle zwischen Physiologie undPsyche. Dieses Seminar beleuchtet den wissenschaftlich gut belegten, aber in der therapeutischenPraxis häufig unterschätzten Zusammenhang zwischen dysfunktionalen Atemmustern und derEntstehung sowie Aufrechterhaltung von Angststörungen, Panikattacken und Depressionen.Dr.-Ing. Thomas Mäder, Gründer der Deep Breath UG und Experte für Atemsensorik, erklärt diebiologischen Grundlagen: Warum führt chronische Hyperventilation zu CO2-Mangel und damit zu einemüberempfindlichen Erstickungsalarm-System im Hirnstamm? Wie entsteht der biologische Teufelskreis aus Überatmung, Hypokapnie und Panikattacke, und warum greift rein kognitive Therapie hier oft nicht tief genug? Tillmann Beichert, Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut sowie Entwickler des PNEUMA-Atemsystems, zeigt, wie evidenzbasierte Atemübungen konkret in die psychotherapeutische Arbeit integriert werden können – von Neuromodulationstechniken über Zwerchfellatmung bis hin zu Mäßigungsübungen nach Buteyko. Im abschließenden Teil wird Raum für Fallbeispiele, Erfahrungsaustausch und offene Fragen der Teilnehmenden gegeben.
Weitere Informationen
Agenda
Teil I - Physiologische Grundlagen (Dr.-Ing. Thomas Mäder) | ca. 30 Min.
• Der Atem als Biomarker: Was misst die Atmung über unseren mentalen Zustand?
• CO2-Toleranz und das Suffocation-False-Alarm-System: Biologische Ursachen von Angst und Panik
• Hyperventilation, Hypokapnie und zerebrale Hypoxie: Der physiologische Teufelskreis
• Depression und Atemdysregulation: chronische Hyperventilation als unterschätzter Faktor
• Biofeedback und Messung: Wie technologische Unterstützung die Therapie stärken kann
Teil II - Atemarbeit in der Psychotherapie (Tillmann Beichert) | ca. 40 Min.
• Das PNEUMA-Atemsystem: Sechs therapeutische Säulen der Atemarbeit
• Präsenz & Körperwahrnehmung: Summen (Brahmari) als Einstiegsübung - Präsenzübung I
• Neuromodulation: Kohärenzatmung (6,5-3,5) und Blasebalg-Atmung (Bhastrika)
• Mäßigung nach Buteyko: CO2-Toleranz aufbauen, die Control Pause als Marker
• Alltagstransfer: Ankerübungen, Morgen-/Abend-Routine, Atembeobachtung im Sitzen
• Indikationen und Kontraindikationen: Was ist wann passend, was ist zu vermeiden?
Teil III - Praxiserfahrungen und offener Austausch | ca. 20 Min.
• Fallbeispiele aus der therapeutischen Praxis: Wie wurde Atemarbeit konkret eingesetzt?
• Häufige Hindernisse bei der Integration von Ateminterventionen in den Therapiealltag
• Offene Fragen der Teilnehmenden an die Referenten
• Empfehlungen für erste Schritte: Womit anfangen, was vertiefen?
Lerninhalte
Neurobiologisches Grundlagenwissen
Die Teilnehmenden verstehen, wie Atemdysregulation und chronische Hyperventilation das autonome Nervensystem destabilisieren, den CO2-Haushalt stören und physiologische Angstsymptome wie Herzrasen, Schwindel und Engegefühl direkt auslösen - unabhängig von kognitiven Prozessen.
Ätiologie von Panikattacken und Depression
Die Teilnehmenden erkennen den biologischen Teufelskreis aus Überatmung – Hypokapnie - Fehlalarm– Panikattacke und können diesen Mechanismus verständlich psychoedukativ vermitteln. Sie verstehen, warum insbesondere depressive Patient:innen häufig Zeichen chronischer Hyperventilation zeigen. Atemübungen für die therapeutische Praxis Die Teilnehmenden lernen konkrete, evidenzbasierte Atemtechniken kennen und erleben diese praktisch: Summen/Brahmari (Stickoxid, Vagusaktivierung), Kohärenzatmung mit verlängerter Ausatmung (HRV-Optimierung), Bhastrika-Blasebalg (Neuromodulation) und Buteyko-Mäßigungsübungen (CO2-Toleranz).
Integration und Transfer
Die Teilnehmenden gewinnen Sicherheit dabei, welche Ateminterventionen für welche Störungsbildergeeignet sind, wie Compliance im häuslichen Umfeld gefördert werden kann, und können anhand realer Fallbeispiele aus dem Seminar eigene Schritte für die Praxis ableiten.
Zielgruppe
Psychotherapeut:innen, Ärzt:innen, Heilpraktiker:innen, Coaches
Über die Referent:innen
Dr.-Ing. Thomas Mäder
Gründer & Hardware-Entwickler, Deep Breath UG (haftungsbeschränkt), Chemnitz
Thomas Maeder studierte Maschinenbau mit Schwerpunkt Kunststofftechnik an der TU Chemnitz und promovierte dort ueber Sensoren zur Erfassung von Dehnungen in Verbundwerkstoffen. Nach langjähriger Tätigkeit als Gruppenleiter Werkstoffe und Technologien am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) sowie als Geschäftsführer eines DFG-Sonderforschungsbereichs gründete er im Dezember 2024 die Deep Breath UG, die einen intelligenten, patentierten Atemgürtel mit App entwickelt, der Atemkraft und Atemmuster in Echtzeitmisst und als digitaler Co-Therapeut in der Psychotherapie eingesetzt werden kann
PP Tillmann Beichert
Diplom-Psychologe · Psychologischer Psychotherapeut · Entwickler des PNEUMA-Atemsystems
Tillmann Beichert ist Diplom-Psychologe und approbierter Psychologischer Psychotherapeut mit eigener Praxis in Sandersdorf-Brehna (Sachsen-Anhalt). Neben seiner therapeutischen Taetigkeit verfügt er über einen European Master of Media, Communication and Cultural Studies sowie Ausbildungen als Systemischer Coach/Berater, QiGong-Kursleiter und Chen-Stil-Taiji-Kursleiter. Seine Arbeit verbindet psychologische Expertise mit ganzheitlichen Ansätzen der Selbstkultivierung, wobei Achtsamkeit und Embodiment die Grundpfeiler bilden. Er ist Entwickler des PNEUMA-Atemsystemsund vermittelt im Seminar sowohl Übungen direkt erlebbar als auch praxisnahe Transferstrategien fuer den therapeutischen Alltag.
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