Traumafolgestörungen: Neue Möglichkeiten der Diagnostik und Therapien
Zusammenfassung
Auch wenn beim ICD-11 die abrechnungstechnische Praxiseinführung noch dauern wird, ist dieses ICD-11 seit 2020 offizieller State of the Art. Es erlaubt im Trauma- und Belastungsstörungsbereich die Nutzung von zwei wesentlich neu formulierten Diagnosen (PTBS und Anpassungsstörung) und zwei ganz neu geschaffenen Diagnosen (Komplexe PTBS und Anhaltende Trauerstörung: ATS). Im ambulanten Bereich sind die PTBS, die Anpassungsstörung und die ATS besonders relevant – und im stationären psychiatrischen-psychosomatischen die komplexe PTBS. Ich werde die Neuheiten dieser Diagnosen und praktikable, kurze Mittel sie zu diagnostizieren vorstellen. Dazu gehören auch die Differenzialdiagnosen. Ein kurzer Blick wird auf Präsentationsformen der vier Störungen im Kulturvergleich fallen.
Für die Therapien werde ich zwischen niederschwelligen (Kurzzeit-)therapien und üblichen Psychotherapien unterscheiden. Dazu werden über verschiedene Therapieschulen hinweg Aussagen gemacht. Die Möglichkeiten, traumafokussierte Techniken in verschiedene Therapiesettings zu integrieren, werden vorgestellt. Moduläre Bestandteile wirksamer Therapieprogramme werden einzeln durchgesprochen. Ein Ausblick wird auf adjuvante und medikamentöse Therapien gegeben.
Literatur: Eberle, D. J., & Maercker, A. (2024). Belastungsbezogene Störungen in der ICD-11. Die Psychotherapie, 69(3), 179-183.
Über den/die Referent:in
Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker
Andreas Maercker promovierte an der Humboldt-Universität Berlin 1986 zum Doktor der Medizin und erhielt die Approbation als Arzt. Im folgenden Jahr schloss er das Studium der Psychologie ab. Von 1989 bis 1992 war er Stipendiat am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, wo er ein psychologisches Doktorat erwarb. Anschliessend war er bis 1998 Oberassistent am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Technischen Universität Dresden. 1999 folgte die Fachkundeanerkennung und die Approbation als Psychologischer Psychotherapeut. Seit 2004 ist er Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (DE).
Über weitere berufliche Stationen in San Francisco, Zürich und Trier ist Professor Maercker seit November 2005 Lehrstuhlinhaber und Fachrichtungsleiter an Universität Zürich. Im Psychotherapeutischen Zentrum des Psychologischen Instituts leitet er die Abteilung "Allgemeine Psychotherapie und Schwerpunkte Trauma, Altersprobleme und Online-Behandlung". 2017 Verleihung des deutschen Bundesverdienstkreuz für wissenschaftliche und ehrenamtliche Tätigkeit und des "Distinguished Contributions to Psychotraumatology in Europe" Awards des ESTSS.
Titel und Abschlüsse
Fachpsychologe für Psychotherapie FSP / approb. Psychol. Psychotherapeut
Psychiatrie und Psychotherapie (Abrechnungsbewilligung)
Facharzt für Psychosomatische und Psychosoziale Medizin (SAPPM)
Anerkannter Supervisor
Forschungsschwerpunkte
- Traumafolgestörungen
- Klinische Kulturpsychologie
- Klinische Gerontopsychologie / Gesundes Altern
- Epidemiologie und Therapieforschung