bvvp Sachsen-Anhalt: "Pornografiekompetenz in der psychotherapeutischen Praxis"
Zusammenfassung
Pornografie wird in der Masse und ab frühem Alter konsumiert. Zugleich verändern sich die Landschaft und die Bedeutung von Pornografie, sowohl als Begriff als auch in den Inhalten. Porno ist heute sexy und soll unbeschämt konsumiert werden, Inhalte werden härter und wir beobachten Reizintensivierung im Kollektiv.
Auch die Richtung verändert sich:
Heute ist Pornografie oft feministisch gerahmt und über Plattformen wie OnlyFans auf Social Media gemainstreamt. So prägt Pornografie auch die allgemeine Kultur rund um Sexualität und das, was als normal, erwartbar und legitim gilt. Hier setzt die neueste Forschung an und untersucht, wie sich Dating und sexuelle Skripte verändern und welche Bedeutung und Gelingbedingungen für Konsens daraus folgen.
Dabei zeigen sich mehrere Dilemmata. Pornografie soll unter feministischen Narrativen als Befreiung verstanden werden, obgleich sie gleichzeitig (junge) Frauenkörper verfügbar macht; und beim den damit einhergehenden roughen Sexpraktiken zeigt sich eine Entstigmatisierung von Kink, aber auch eine Verlagerung von Gewalt ins Implizite, wo Grenzüberschreitungen zunehmend schwer erkennbar werden.
In der therapeutischen Praxis fehlt zum Themenfeld in Teilen noch Expertise. Hier setzt der Vortrag an. Wir holen uns auf den neuesten Stand der Forschung rund um Pornografiekonsum, Pornografiekultur sowie sexuelle Skripte und Konsens. Wir besprechen Ideen für differenzierte Anamnesen und Fragetechniken, die weder beschämen noch übersehen, dramatisieren oder gar bagatellisieren, und diskutieren konkrete Fälle aus der Perspektive konsumierender Menschen und von Frauen, die in der feministischen Pornobranche Erfahrungen gesammelt haben.
Weitere Informationen
Für diese Veranstaltung wurden Fortbildungspunkte beantragt.
Bitte beachten Sie, dass die Veranstaltung nicht vollständig barrierefrei ist.
Bei Unterstützungsbedarf oder Fragen zur Zugänglichkeit wenden Sie sich gerne vorab an uns unter barrierefrei@bvvp.de.
Zielgruppe
alle Interessierte
Über die Referent:innen
Dr. phil. Johanna L. Degen
Dr. phil. Johanna L. Degen ist eine deutsche Sozialpsychologin, Forscherin und Paartherapeutin. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Forschungen zu Online-Dating (weshalb sie oft als „Dr. Tinder“ bezeichnet wird), Intimität im digitalen Zeitalter sowie parasozialen Beziehungen zwischen Menschen und KI-Chatbots
Sarah Seide
Diese Veranstaltungen könnten Sie auch interessieren
-
Kostenfrei28.10.2026, 19:30 - 21:30 Mechthild Leidl und Sarah Seide -
Kostenfreibvvp Psychotreff: Prüfungsnavigator - Prüfungsnachbesprechung – Anfechtungsabend
21.08.2026, 19:00 - 21:00 Mechthild Leidl, Lena Schmideder und Sarah Seide -
Kategorien:
Fälle aus der Praxis: FASD (Fetale Alkoholspektrum-Störungen)
Dr. phD Justine Hussong