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14.10.2024, 17:00 - 18:30 Uhr

bvvp Hessen e.V.: Transgender Care heute: Aktuelle Entwicklungen in der Gesundheitsversorgung bei Geschlechtsinkongruenz

In der traditionell medizinischen Terminologie wurden Menschen, die ihr Geschlecht nicht (vollständig) im Einklang mit dem ihnen bei Geburt zugewiesenen Geschlecht empfinden, mit dem Begriff der Transsexualität in Verbindung gebracht. Da sowohl der Begriff als auch das dahinterliegende Konzept in der Kritik standen und weiterhin stehen, werden seit einigen Jahren alternative Begriffe verwendet (u. a. Transidentität, Trans-geschlechtlichkeit, Transgender oder Trans*), die häufig mit der Kurzform Trans zusammengefasst werden.<br /><br />Damit einhergehen weitere Entwicklungen. Die Sichtbarkeit trans:geschlechtlicher und non-binärer Menschen hat in den vergangenen Jahren zugenommen, auch die Inanspruchnahme der Gesundheits-versorgung, ambulant wie stationär. Medial wird das Thema seit einigen Jahren verstärkt dargestellt und gezeigt, dass trans Menschen von Diskriminierung und Stigmatisierung betroffen sind, auch im Gesundheitssystem. Schließlich haben sich die diagnostischen Konzepte und die Behandlungsempfehlungen geändert. Mit Veröffentlichung der ICD-11 und der AWMF S3-Leitlinie Geschlechtsinkongruenz, Geschlechts-dysphorie und Trans-Gesundheit im Jahr 2018 sind zeitgleich die diagnostischen Kriterien inklusiver und die Behandlungsempfehlungen flexibler geworden. Während die internationalen Standards of Care der World Professional Association for Transgender Health (WPATH) zuletzt 2022 erneuert wurden, steht die Aktualisierung der S3-Leitlinie und ihre Erweiterung um die chirurgischen Behandlungen gegenwärtig am Anfang.<br /><br />Für Unsicherheit in der Versorgung Erwachsener sorgen vor allem Fragen zum Umgang mit den Behandlungsanliegen non-binärer Menschen sowie im Zusammenhang mit Detransitionen. Intensiv gerungen – mitunter auch polarisierend gestritten – wird dabei auch um die Frage nach einer angemessenen therapeutischen Haltung zwischen Affirmation und der Angst vor irreversiblen Fehlentscheidungen. Ein Blick in die Behandlungsgeschichte zu Trans zeigt uns, dass früher wie heute heftige Affekte die klinischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen prägen. Im Zuge dessen wird auch wiederholt die Frage nach der Evidenz und ihrer angemessenen Gewichtung diskutiert.<br /><br />Vor diesem Hintergrund will der Vortrag einen dialektischen, differenzierten und bedarfsgerechten Ansatz in der Gesundheitsversorgung für transgeschlechtliche und non-binäre Menschen vermitteln und einen Einblick in den Paradigmenwechsel ermöglich, der sich seit wenigen Jahren in Bezug auf grundlegende Versorgungs- und Forschungsfragen bei Trans ereignet. Gestern wie heute geht es dabei um existentielle Fragen: Wie selbstbestimmt kann ich mein Geschlecht leben? Wie individuell darf mein Geschlecht sein? Wer entscheidet über meinen Körper?<br />

40,00 €

Für Mitglieder:

20,00 €

Priv.- Doz. Dr., Dipl.-Psych. Timo O. Nieder